Dolina Geiserow
Jahrzehnte lang war die russische Halbinsel Kamtschatka als militärisches Sperrgebiet von der Außenwelt abgeriegelt. Nun auch für den internationalen Tourismus zugänglich, bietet sich dem Besucher im “Dolina Geiserow”, der “Tal der Geysire” ein atemberaubendes Bild: Rund 90 Geysire und ungezählte heiße Quellen auf einer Strecke von sechs Kilometern – nach dem Yellowstone Nationalpark in den USA die weltweit zweitgrößte Konzentration an geologischen Phänomenen dieser Art.
Allein die Anreise ist ein Abenteuer für sich. Nur mit dem Hubschrauber ist Dolina Geiserow erreichbar. Der Flug führt vorbei an hohen Bergen und aktiven Vulkanen, gibt den Blick frei auf bunt schimmernde Kraterseen und ausgedehnte Lavaflächen. Dabei ist die allgemeine Kenntnis vom Tal der Geysire noch gar nicht so alt: Die Ureinwohner Kamtschatkas, die Korjaken, betrachteten den Canyon als heiligen Ort und berichteten darüber niemandem. Erst 1941 entdeckte und dokumentierte die russische Geologin Tatjana Ustinowa das Tal, behielt ihre Informationen aber weitere 15 Jahre für sich. Erst Mitte der Siebziger Jahre begann die intensive Erforschung von Dolina Geiserow, heute ist das Tal Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes “Vulkane von Kamtschatka” und gilt als “Russisches Weltwunder”.
Ob der aufwändigen Anreise in den äußersten Osten Russlands ist das Tal auf der touristischen Landkarte nach wie vor ein Geheimtipp. Nur wenige tausend Besucher bekommen jedes Jahr den mächtigen Geysir “Velikan” zu Gesicht, der seine Fontäne alle paar Minuten bis zu 40 Meter in die Höhe pumpt. Dabei gilt: Kein Besuch im Tal der Geysire ohne professionelle Begleitung. Allein schon aus Sicherheitsgründen darf niemand den Canyon “auf eigene Faust” ergründen, selbst mit Führung müssen die vorgegebenen Wege streng eingehalten werden. Hinzu kommt, dass eine gewaltige Schlammlawine im Juni 2007 große Teiles des Tals unter sich begrub. Das Ausmaß der Schäden ist noch nicht absehbar. Als erste Folge bildet sich gegenwärtig ein großer Thermalsee. Anders ausgedrückt: Im Tal der Geysire ist auch in der Gegenwart noch zu beobachten, wie sich die Erdoberfläche vor Millionen von Jahre entwickelt hat.